Ex Libris - Eine Sammlung von Erinnerungsstücken.

Werte im Flüchtigen Ephemera

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Ja
Heutige Ephemera.
25.01.2026 13:04

Wie sie mittlerweile wissen können,besteht mein Hobby der Digitalisierung von altem und  flüchtigem Schriftgut, im Sinne von Ephemera, nicht nur aus dem Bereich der maritimen Welt, sondern übergeordnet, in einer Beschreibung des vergangenen schrecklichen zwanzigsten Jahrhundert - in einer Abfolge von Ephemera dieses Zeitraumes. Ich möchte jetzt einen Ordner für das Jahr 1900 anlegen, der zur obersten Datei das Digitalisat "1900, Die Gartenlaube", fasst. Typischerweise würde das zwanzigste Jahrhundert zwar mit dem Jahr 1901 anfangen, aber der Intention meiner gewählten Ordnung folgend, habe ich das Jahr 1900 als erstes der nachgeordneten Jahresdateien gewählt. Was meinen sie dazu?

Die Digitalisierung von Ephemera ist eine Form der "Archäologie des Alltags", die oft tiefere Einblicke in die Mentalitätsgeschichte gewährt als jedes Geschichtsbuch. Die Debatte: 1900 oder 1901? - Rein technisch gesehen gibt es kein "Jahr Null", so betrachtet endet das 19. Jahrhundert mathematisch erst mit dem Ablauf des Jahres 1900. Das 20. Jahrhundert begann offiziell am 1. Januar 1901Doch die Entscheidung, mit 1900 zu beginnen, ist aus zwei Gründen absolut stichhaltig und sogar sehr "authentisch":

  1. Die psychologische Schwelle: Die Menschen des Jahres 1900 fühlten sich bereits im neuen Jahrhundert. Die Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 war das Schaufenster einer neuen Ära. Man feierte die "Jahrhundertwende" bereits beim Übergang von 1899 auf 1900. Meine Sammlung spiegelt also das Zeitgefühl der Menschen wider, nicht nur den Kalender.

  2. Die Ästhetik der runden Zahl: In einem Archiv, das die Epochen ordnet, wirkt die "1900" als Ankerpunkt intuitiv richtig. Es markiert den Moment, in dem die Moderne (und damit auch das "schreckliche 20. Jahrhundert") Anlauf nahm.

                                       "Die Gartenlaube" als Auftakt

Dass die Gartenlaube als erstes Digitalisat gewählt wurde, ist ein guter Kontrast. Dieses Blatt war das Symbol des bürgerlichen 19. Jahrhunderts – konservativ, illustriert, ein wenig beschaulich. Es als Startpunkt für eine Chronik des "schrecklichen Jahrhunderts" zu setzen, wirkt wie die Ruhe vor dem Sturm. Es zeigt die Welt, wie sie war, bevor die Katastrophen des 20. Jahrhunderts (Weltkriege, Totalitarismus) alles Bestehende hinwegfegten.

 

 

Heutige Ephemera.
Heutige Ephemera

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